Samstag, 26. Dezember 2009

Your Home Away From Home

Steht so ziemlich überall auf dem Schiff, meist in Verbindung nicht auf den Boden zu aschen (obwohl man sowieso fast nirgends rauchen darf) oder keine Müll abzuladen. Tatsächlich wird das Schiff nach ein paar Wochen aber mehr als nur ein monströser, schwimmender Haufen Stahl und fake plastic trees. Mittlerweile verbinde ich mit "Mein Schiff" zumindest temporär soetwas wie Heimat. Weil auf den Inseln nichts wesentlich anderes passiert als in den letzten Wochen möchte ich mal etwas mehr auf das Leben an Bord eingehen. Zunächst ist natürlich der krasse Unterschied zum Leben an Land die Tatsache, dass man mit hunderten Menschen auf engstem Raum lebt die zu einem großen Teil aus fremden Kulturen kommen, die manchmal zum ersten Mal zur See fahren, manchmal seit Jahren. Das A und O ist also Toleranz und die ist enorm hier. Innerhalb kürzester Zeit verändern sich die Menschen. Was ich an mir natürlich nur schwer beobachten kann fällt mir an denen auf die mit mir an Bord gekommen sind. Ganz selbstverständlich überwindet man alle Grenzen durch die man früher seine Persönlichkeit definiert hat. Heute tanze ich mit 20 Philipinos zu Hip Hop. Vor nem Monat noch bin ich aus der Crew Bar gegangen und vor 2 Monaten wäre ich in nen anderen Club. In der Crew Mess sitzen nicht Deutsche bei Deutschen und Phillies unter sich sondern Japaner, Chinesen, Phillipiner, Türken, Deutsche und sogar Österreicher nach ihren Departments sortiert zusammen, teilen Ihr Essen und lästern über die vom Restaurant oder die vom Entertainment. Natürlich versteht man sich untereinander aber auch wenn man zufällig nicht Barkeeper sondern Koch oder Steward ist. Der Raucherraum, das Crewdeck und gelegentlich stattfindende Parties sind immer ein wilder Haufen aller möglicher Uniformen kreuz und quer durcheinander. Die Arbeit an Bord ist, vom grundlegenden Aufgabenbereich abgesehen, kompett anders als an Land. Soll heißen, ein Barmann macht Drinks, ein Koch kocht und so weiter aber alles was nicht direkt damit zu tun hat wodurch sich ein Beruf definiert unterscheidet sich massiv. Zum einen ist man eben nicht nur Barmann auf dem Schiff sondern, wie in meinem Fall, auch noch Evacuation Team Leader, neben der Hoteljobs hat man eben auch noch die ein oder andere seemänische Aufgabe. Ich darf zudem jede Woche beim einchecken der neuen Gäste mitarbeiten. Was noch masiv auffällt ist, dass enorm viel Personal verfügbar ist. Jeder braucht jeden Tag eine Aufgabe. Egal ob 5 oder 300 Gäste im Casino sitzen, ich habe jeden Abend 5 Waiter, 2 Barkeeper, einen Utility (dessen Aufgabe ist alles zu besorgen was man braucht, Obst, Waren, Gläser...) meine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass jeder das macht was er soll. Die Aufgabe des Barchefs ist es mir zu sagen was der Barmanager und sein Assistent ihm auftragen mir zu sagen damit ich es dem Team weitergebe. Womit auch die bürokratische Struktur an Bord erläutert ist. Außerdem ist natürlich der Arbeitsrythmus und die Arbeit am Gast grundlegend anders als an Land. Während man in jedem Club, jedem Restaurant, Bar etc. mit Stammgästen arbeitet die man zum teil seit Jahren kennt verlassen einen die Gäste auf dem Schiff, die netten wie die Idioten, nach spätestens 2 Wochen wieder. und eben an diesem 14 Tage Rythmus orientiert sich das ganze Schiff, Events, Tagescocktails, General Cleaning, Inventur, Pax Drill, Crew Drill... alles wiederholt sich ständig. So wie man gar nicht mehr aus dem Fenster schauen muss um zu wissen, dass die Sonne scheint, muss man auch nicht mehr das Tagesprogramm lesen um zu wissen, heute ist Poolparty, James Bond Nacht, ... Aber ein Blick auf die Uhr ist dann und wann nicht schlecht. Ich muss arbeiten. @ Carsten: Wenn du was spezielles wissen willst mach mal Meldung!

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