Dienstag, 24. November 2009

Und wenn es einmal soweit ist...


Würde ich ganz gerne auf Dominica sterben, wenn es denn keineUmstände macht. Muss nicht gleich sein, auch nicht während der nächsten Monate aber in ein paar Jahrzehnten dann sicher gerne. Leider war ich gar nicht auf der Insel sondern nur mal wieder auf "meinem" Sonnendeck und habe Sie von dort aus intensiv studiert. Was man dann aber zu sehen bekommt ist wirklich traumhaft. Die ganze Insel ist vulkanischen Ursprungs mit sehr steilen Bergen deren Gipfel in den Wolken liegen und Regenwäldern an deren Flanken, Die Strände sind größtenteils aus schwarzem Vulkansand und überall stehen Palmen rum. Auf dem Schiff ist gestern wieder nicht viel passiert außer, dass einige Mitarbeiter sehr spontan von Bord gehen mussten, Was genaues weiß ich aber nicht.
Heute liegen wir vor Philipsburg/St. Maarten eingekeilt zwischen zwei anderen Kreuzfahrtschiffen. Die Insel ist zweigeteilt, der Legende nach haben französische und holländische Gefangene nachdem sie Ihre britischen Peiniger verjagt haben sich am Strand getroffen und entschieden je einen Mann in entgegengesetzte Richtungen die Insel umrunden zu lassen. Vom Startpunkt aus sollte dann eine Linie zu dem Punkt an dem sich die beiden wieder trafen gezogen werden und die Grenze zwischen den beiden Staaten bilden. Anscheinend hat der französische Gefangene dem Holländer zur Feier des Tages statt einer Flasche Wasser Rum mit auf den Weg gegeben was dann letztlich dazu führte, dass der französische Teil wesentlich größer ist. Und jetzt zurück zu der Kreuzfahrtschiff Belagerung. Der holländische Teil ist Teil der holländischen Antillen aber unabhängig vom Mutterland. Deshalb sind die Jungs hingegangen und haben Philipsburg zum Freihafen ernannt. Deshalb können Touristen hier Zoll und Steuerfrai einkaufen. Morgen ist mal wieder ein Sicherheitstraining. Unter erschwerten Bedingungen (Wasserschote und Brandschutztüren sind zu, nur NOtbeleuchtung ein) werden alle Crewmember evakuiert. Meine Rettungsinsel ist an Backbord Mittschiffs an Station 6 die Insel Nr.3 hab ich gleich mal nachgeschaut. Jetzt darf ich mal wieder ne Runde aufs Pooldeck.

Samstag, 21. November 2009

Mein Schiff... on bord

Mittlerweile fühle ich mich fast wie ein alter Seebär. Das Chaos an Land findet sein exaktes Gegenteil an Bord. Alles ist bis ins kleinste Detail durchorganisiert und funktioniert reibungslos. Während ich mir an Land allerlei Gedanken über die Logistik eines solch großen Schiffes gemacht habe erscheint das, hat man einmal das Festland verlassen, völlig normal. Die Crewbereiche sind überraschend großzügig man markt nicht wirklich, dass gerade zeitgleich fast 1000 Menschen dort arbeiten. Anscheinend kennt sich auch so ziemlich jeder beim Namen. Nachdem wir also gegen 11 Uhr an Bord gegangen sind und hier von einem Barmann abgefangen wurden ging der organisatorische Kram los. Beinhaltet Abgabe der Pässe, medizinische Unterlagen zwischen allen möglichen Büros rum tragen, eine Schiffsführung, Aushändigung der Uniformen, Bettlaken und Handtücher, dann den Bezug der Kabinen (meine Nummer ist 4318 falls mich jemand besuchen kommen möchte) und abschließend ein erstes Sicherheitstraining. Woran mann zunächst gar nicht denkt was aber recht schnell sehr logisch ist ist jegliches Fehlen von Polizei, Notarzt Feuerwehr und so weiter. Und um uns sanft an die Übernahme dieser Aufgaben heran zu führen fand heute eben das erste Sicherheitstraining statt. Jetzt bin ich also nicht einfach nur Barmann sondern zeitgleich auch noch für das Leben Hunderter Menschen verantwortlich. Morgen darf ich meine Fähigkeiten diesbezüglich gleich mal beweisen. Nachdem heute auch einige neue Passagiere an Bord gekommen sind findet morgen ein Sicherheitstraining statt das auf See auch für die Passagiere Pflicht ist. Zu diesem Zweck werden alle Passagiere von Ihren Kabinen zu voher für sie festgelegten Rettungsbooten geführt, danach sammelt sich die Crew in Ihrem eigenen Rettungsbereich. Das Los hat in dem Fall entschieden es mir extra schwer zu machen indem es mich zum Guest Evac. Leader ernannt hat. Das bedeutet, dass ich für die Evakuierung der Gäste in zwei Brandschutzzonen (insgesamt gibt es 7)auf der Backbordseite verantwortlich bin. Dazu habe ich dann ein 5 köpfiges Team die ich so schnell wie möglich organisieren muss und die die Aufgaben haben alle Gäste aus diesen Kabinen zu holen, sich bei mir abhaken zu lassen und von mir zur nächsten Station, einem Treppenhausteam, weiter schicken zu lassen. Wenn ich der Meinung bin alle Gäste evakuiert zu haben melde ich das der Zentrale und leite mein Team zur Crew Sammelstelle. Was gibt es noch zu sagen? Ich arbeite die erste Woche an der Unverzichtbar. Das ist die größte der Poolbars und völlig unverständlicher weise fast ausschließlich mit nicht deutsch sprechendem Personal besetzt. Nachdem mein Englisch so schlecht nicht ist stellt das für mich kein Problem dar, wohl aber für die Kommunikation mit unseren älteren Gästen. jetzt ist es 1 Uhr Ortszeit, ich hab wohl auch noch ein bisschen europäische Zeit drin deeshalb werde ich jetzt noch ein paar Cocktailrezepte lernen und dann schlafen.

Berlin - Madrid - Santo Domingo - Mein Schiff

Gestern morgen ging es also wirklich los. 0730 ab Tegel mit einem Airbus 319 nach Madrid. Der Abschied am Flughafen fiel mir dann doch schwerer als erwartet, da wird einem dann erst wirklich klar, dass man sich ein halbes Jahr auf ganz neue Verhältnisse einlässt. Zudem wurde das ganze dann noch rüde unterbrochen mit dem Hinweis man habe leider keine Zeit mehr für eine Zigarette, man solle doch bitte direkt einchecken. Schon auf dem Flughafen habe ich die erste Kollegin getroffen und mir mit ihr bis Santo Domingo eine Sitzreihe geteilt. Der Flug nach Madrid war wie zu erwarten kurz und angenehm. Besondere Freude hat es mir bereitet zu sehen, dass zumindest Deutschland zum Abschied nochmal gutes Wetter bekommen hat. Vielleicht erleichtert das den LIeben zuhause noch ein wenig meine Ungreifbarkeit. Negativ überrascht hat mich, dass eine schöne Landung von den Passagieren nicht mehr gewürdigt wird. Ich fand es immer toll wenn alle klatschten um sich für die Wahrung ihrer Gesundheit zu bedanken. Madrid war dann schon ein Vorgeschmack auf das was uns in Santo Domingo erwartet hat. Auch auf einem internationalen Flughafen sind Englischkenntnisse zwar vorhanden werden aber nur mit spanischen (Schimpf?) Worten kombiniert zu unverständlichen Botschaften. Hat also ne ganze Weile gedauert bis klar war, dass ich mit dem kleinen weißen Zug von Terminal 4 A-G zu Terminal 4 R-U fahren sollte. Der Flughafen ist ganz neu gebaut und erstreckt sich über ein riesiges Areal. Nachdem der Aufenthalt dort aber leider fast 4 Stunden betrug war Eile nun sowieso nicht gegeben. Den Aufenthalt damit überbrückend, festzustellen, dass Duty Free nicht zwangsläufig billig heißt war ich doch froh als unser Flug endlich zum Boarding bereit war. Der Airbus 340 sah weder von Außen noch von Innen sonderlich vertrauenserweckend aus, der Flug war aber alles in Allem trotzdem sehr gut. Besonders amüsant war, dass wohl eine Dominikanische großfamilie den Jet für einen Ausflug gekapert hat. Jedenfalls waren von 260 Passagieren bestimmt 100 Dominikaner die sich alle untereinander kannten und den kompletten Flug eine Party gefeiert haben. Viel Rum Cola und tobende Kinder inklusive. Ich habe dann gemacht was man halt auf nem neun stündigen Flug macht, gegessen, getrunken, schlechte Filme geschaut geschlafen und so weiter. Die Landung in Santo Domingo war wiederum sehr professionell, diesmal wurde selbstverständlich ausgiebig geklatscht und dann die ganze Meute in die Freiheit entlassen. Nach dem Erwerb einer Tourist Card die man umgehend auch wieder abgeben muss um seinen Stempel zu bekommen, der Kofferausgabe und nem Irrweg durch den eigentlich gar nicht so großen Flughafen kamen wir in eine Empfangshalle die geseckt voll war mit wartenden Einheimischen die laut schreiend Ihre Verwandschaft begrüßt haben laut karibische Musik gehört haben und auch sonst viel Spaß hatten. Vor dem Flughafengebäude wartete außer unserem Shuttle Fahrer der uns zum Hotel bringen sollte vor allem eines auf uns. Drückende Schwüle. nach 17 Stunden in voll klimatisierten Räumen und Flugzeugen war die Wärme und Luftfeuchtigkeit wie ein Schlag ins Gesicht. Wir haben schon im Flugzeug gesehen, dass es draußen dunkel ist und die Temperatur noch 27°C betragen soll. Das herrliche Missmanagemet das uns auf der Insel seitdem auf Schritt und Tritt begleitet führte dann erstmal dazu, dass wir fast eine Stunde vor dem Flughafen auf weitere Crew Mitglieder warteten bis jemand raus gefunden hat, dass diese mit einer ganz anderen Maschine 2 stunden später ankommen. So ziemlich mit allem rechnend wurden wir dann doch schon früher zum Hotel gebracht. Hier wurden wir dann erstmal positiv überrascht. Statt einer Absteige erwartete uns ein Tourstenhotel mit allem erdenklichen Komfort. Zwar lief natürlich auch hier nicht alles reibungslos was zum Beispiel beinhaltete, dass zwar jeder von uns ein Doppelzimmer als Einzelzimmer bekam, besagte Nachzügler aber wieder wer weiß wohin geschickt wurden weil das Hotel ausgebucht sei. Davon haben wir aber erst heute morgen erfahren. Nach dem Dinner und einigen Zigaretten (200 Benson Hedges 19€) ging jeder von uns hundemüde ins Bett.

Heute Morgen habe ich mir den Wecker eine Stunde früher als nötig gestellt. Gott sei Dank konnte ich im Flugzeug ein bisschen schlafen und bin das (nach europäischer Zeit) Mittags aufstehen gewöhnt jedenfalls merke ich noch gar nichts von Jet Lag oder ähnlichem. Jedenfalls bin ich um halb sechs aufgestanden und habe erstmal vom Balkon meiner Suite im 11 Stock dem Karibischen Sonnenaufgang beigewohnt. Sehr beeindruckend wie sich sicher jeder vorstellen kann. Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück, ein paar eMails und nem kurzen Gespräch mit den Lieben sitz ich jetzt im Buss zum Schiff das wieder erwarten nicht in Santo Domingo liegt sondern 2 Stunden entfernt in einer Stand von der ich nur weiß, dass sie mit V anfängt. Nach der ersten Aufregung dann mehr!

Mittwoch, 18. November 2009

He´s got a ticket to ride!

So Ihr lieben, morgen (Donnerstag) gehts nun tatsächlich los. 0730 Tegel nach Madrid und von dort weiter nach Santo Domingo. Dann eine Nacht im Hotel und am Freitag morgen zum Crewing Officer auf den Pott. Nachdem das Ganze jetzt so arg schnell geht bin ich gerade ordentlich am Packen und stelle mich organisatorischen Problemen wie Winter in Deutschland, "Frühling" in Madrid und Hochsommer in der Karibik. Zumindest eines ist sicher: Das Haar sitzt!

Dienstag, 17. November 2009

Paperworks

Nachdem es jetzt tatsächlich schon übermorgen los gehen soll wirds langsam mal Zeit die Reiseunterlagen zu bekommen.
Nach einer traumatisierenden Woche habe ich zumindest jetzt alles was von mir verlangt wird zusammen. In diesem Zusammenhang möchte ich Dr. Sch. für die eindrucksvolle Präsentation von Inkompetenz, Dem Berliner Tropeninstitut für 10 Jahre Gelbfieber, dem Bürgerbüro R´dorf für 35€ Expresszuschlag und jedem verfluchten Copyshop auf der ganzen Welt schlicht für Ihre Existenz danken. Lasst uns alle beten, dass es jetzt auch wirklich passt.

Mittwoch, 4. November 2009

Es geht los!


Seit heute ist es offiziell: Ich werde ab 20.11. für ein halbes Jahr Senior Barkeeper auf einem Kreuzfahrtschiff. Genauer gesagt dem ersten Schiff der neuen "TUI Cruises" welches auf den zweifelhaften Namen "MS Mein Schiff" wohl nichtmal hört. (MS heißt übrigens NICHT multiple Sklerose sondern Motorschiff)
Wenn euch das jetzt recht kurzfristig vorkommt, mir gehts genauso. Ich fürchte ich muss mich aus meiner lieb gewonnenen Lethargie reißen und Gas geben. Schließlich gibt es noch viel zu tun, hauptsächlich organisatorisches wie Impftermine, Gesundheitszeugnisse, Reisepass und so weiter aber auch Verabschiedungsexzesse bei Freunden und Familie, ein bisschen einkaufen und vielleicht ne Brise Kultur.
Wie so oft kommt alles anders als man denkt. Anstelle mich in Berlin auszutoben und mich auf 90qm Jugendstilaltbau auszubreiten werde ich mir nun 12qm Kabine ohne Fenster mit einem völlig Fremden teilen. Das Gute an der Sache ist, Weihnachten liege ich vermutlich in der Karibik auf nem Sonnendeck :-)
Nachdem ich am 20.11. in Santo Domingo an Bord gegangen bin werde ich 6 Monate durcharbeiten und dabei viele tausende Kilometer (oder korrekter nicht ganz so viele Seemeilen) zunächst in der Karibik zwischen der Dominikanischen Republik und den Antillen rumschippern. Danach geht es einmal quer über den Atlantik ins Mittelmeer, dort immer im Kreis zwischen Mallorca, Nizza, Korsika, Rom, Sizilien und so weiter. Im Anschluss zum Hafenjubiläum nach Hamburg, nach London und einmal durch das Nordmeer immer an Norwegen entlang. Wenn bis dahin alles glatt gegangen ist, Piraten, Eisberge oder Wahnsinn mich verschont haben sollte das halbe Jahr um sein und ich in Kiel wieder zur Landratte werden.
Noch ein paar Zahlen zu meinem neuen Zuhause:
850 Mann Besatzung
2000 Passagiere
263 Meter lang
33 Meter breit